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Filmtext

Freiheitsliebender Held

Im März 1974 wird der erst 25-jährige Widerstandskämpfer Salvador Puig Antich nach einem fragwürdigen Gerichtsverfahren vom spanischen Militärregime hingerichtet. In Manuel Huergas Film „Salvador – Kampf um die Freiheit“ ist die staatlich verfügte Ermordung des katalanischen Antifaschisten eine letzte unerbittliche Machtdemonstration von Francos Diktatur kurz vor ihrem Untergang und zugleich ein Fanal für die Intensivierung der sozialen und politischen Kämpfe. Des Weiteren stellt Huerga diesen Fall anhand von Vor- und Nachspannbildern in die von Krieg und Terror gekennzeichneten Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. Wie unter einem Vergrößerungsglas wird die Lebensgeschichte des Titelhelden so symptomatisch für politische Gewalt und Widerstand.



Nach einer Schießerei wird Salvador, gespielt von Daniel Brühl, im September 1973 gefangen genommen. In der Isolationshaft erzählt er seinem Anwalt die Umstände seiner Radikalisierung, die geradezu exemplarisch wirkt. Wie nach einer Demonstration ein befreundeter Kommilitone von der Polizei getötet wird und infolgedessen sich das alltägliche politische Handeln in schiere Notwehr verwandelt. Eine weit gespannte Rückblende erzählt Salvadors Weg „von der Theorie zur Praxis“, vom Straßenkampf zum bewaffneten Widerstand aus dem Untergrund, der mit Banküberfällen und Publikationen auf die Solidarität mit dem radikalen Flügel der Arbeiterbewegung zielt.



Leider ist Huergas Film in seiner ersten Hälfte kaum mehr als eine clipästhetische Bebilderung biographischer Daten, die thematisch unscharf bleibt und die mit viel Zeitkolorit und Musik dramatische Potenziale verwässert. Dabei stilisiert der katalanische Regisseur den freiheitsliebenden, klassenkämpferischen Anarchisten mitunter klischeehaft zum romantischen Helden. Erst im zweiten Teil, der Salvadors Zeit im Gefängnis zwischen Hoffnung und Todesangst schildert, gewinnt der Film an emotionaler Tiefe und dramatischer Dichte. Vor allem Salvadors Versöhnung mit dem Vater, die Liebe zu seinen Schwestern und die aufkeimende Freundschaft zu seinem Wächter zeichnen ein bewegendes Portrait des Titelhelden, dessen grausames Sterben durch die Garotte schließlich auch ein Plädoyer gegen die Todesstrafe ist.



23. Oktober 2007

Wolfgang Nierlin

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