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Filmtext

Abschied vom blauen Planeten

Ein „vielschichtiges Panorama von vergangenen und gegenwärtigen Utopien und Weltentwürfen“ wollen die Veranstalter der Initiative „die Gesellschafter“ mit ihrem bundesweiten Filmfestival „ueber morgen“ präsentieren. Zwölf Filme umfasst das Programm der Tournee, die in hundert deutschen Städten gastiert und von zahlreichen Verbänden und Organisationen getragen wird. Vom 7. bis 13. Februar sind die Beiträge im Heidelberger Karlstorkino zu sehen und bieten dem interessierten Zuschauer so die Möglichkeit, „über eine lebenswerte, gerechte und menschenwürdige Zukunft für alle“ nachzudenken. Ergänzt werden die Vorführungen jeweils durch Diskussionen, die von regionalen Experten geleitet werden. Alternative Lebens- und Arbeitsformen in Zeiten der Globalisierung, Ressourcenknappheit angesichts einer rapide wachsenden Weltbevölkerung, die Probleme illegaler Einwanderer und das Scheitern sozialer Utopien sind nur einige der Themen, die im Verlauf der Veranstaltung behandelt werden.



Ein inhaltlicher Schwerpunkt widmet sich der Ausbreitung des religiösen Fundamentalismus und seiner Infiltrierung der politischen Kultur. Während diese brisante Allianz in vielen islamischen Ländern zur Normalität gehört und mit weitreichenden Folgen das Alltagsleben der Menschen bestimmt, was in Marcin Mamons Dokumentarfilm „Der Duft des Paradieses“ anschaulich wird, scheint in den westlichen Demokratien die Trennung von Kirche und Staat gefestigter. Heidi Ewings und Rachel Gradys Film „Jesus Camp“ über ein evangelikales Ferienlager für Kinder in North Dakota konterkariert dieses Bild. Hier werden junge Menschen auf erschreckende Weise einer Gehirnwäsche unterzogen und zu kleinen „Gotteskriegern“ geformt. Dahinter steht der Wunsch nach einem radikalen gesellschaftlichen Wandel, personifiziert vom evangelikalen US-Präsidenten George W. Bush, der diesen Auftrag politisch umzusetzen versucht.



Die Implosion dieser Gesellschaft sowie ein apokalyptischer Abgesang auf den sterbenden Planeten visualisieren die Werke zweier renommierter Regisseure. So lässt Richard Linklaters mit zahlreichen Hollywood-Stars besetzte Adaption des Philip K. Dick-Kultromans „A scanner darkly – Der dunkle Schirm“ die Suche nach Glück in einer tödlichen Sackgasse münden. Zwischen Realität und Animation, Komik und Tragik changiert sein mit dem Rotoskop-Verfahren hergestellter Film, bei dem die herkömmlichen Aufnahmen später am Computer übermalt wurden. Noch endzeitlicher ist Werner Herzogs poetische „Science-Fiction-Fantasy“ „The wild blue yonder“, die vom Scheitern der Zivilisation handelt. Die wortgewaltige Klage eines Aliens auf der Spielebene des Films kombiniert Herzog dabei mit faszinierenden Dokumentaraufnahmen aus einem amerikanischen Spaceshuttle, mit Unterwasserbildern aus dem antarktischen Meer und einem hypnotischen Soundtrack. „Wir haben versagt!“ lautet das desillusionierende Resümee des von Brad Dourif gespielten Außerirdischen vom Planeten Andromeda.





30. Januar 2008

Wolfgang Nierlin

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