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Filmtext

Ein verlorener Sohn

Antoine (Nicolas Cazalé) ist ein verlorener Sohn. Seine Kindheit auf dem Lande erscheint als ferner Traum, festgehalten in den Erinnerungsbildern eines Super-8-Films. Vor zehn Jahren ist er aus der Enge seiner südfranzösischen Heimat in die Großstadt geflohen. Doch angekommen ist er noch immer nicht: Seine uneingerichtete Wohnung gleicht einem Provisorium aus Kartons, in den diversen Gelegenheitsjobs hält er es nie lange aus und seine Liebesgefühle für die hübsche Wohnungsnachbarin Claire (Clotilde Hesme) mag er sich und ihr nicht richtig einzugestehen. Antoine führt eine verkrachte Existenz in prekären Verhältnissen. Noch ist sein Unbehagen größer als die Einsicht, Verantwortung übernehmen zu müssen. Das ändert sich, als sein Vater einen schweren Herzinfarkt erleidet und Antoine gezwungen ist, in sein ungeliebtes Elternhaus zurückzukehren.



„Du bist nicht der Händler! Du bist der Sohn des Händlers!“, schimpft die besonders resolute Kundin Lucienne (Liliane Rovère) und zitiert damit zugleich den Originaltitel von Eric Guirados Film „Der fliegende Händler“ (Le fils de l’épicier). Seinen Platz im Leben zu finden und dabei seine Identität nicht zu verleugnen, wird für den innerlich zerrissenen Helden zur Aufgabe. In den wiederholten Konflikten mit seinem Bruder François (Stéphane Guérin Tillié), dem es auch nicht besser geht, und seinem patriarchalischen Vater (Daniel Duval) verdichtet sich Guirados Film in den besten Momenten zu einem konfliktreichen Familiendrama im Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz, Scheitern und Versöhnung. Wenn Antoine und Claire den rollenden Tante-Emma-Laden, mit dem sie die skurrilen Bewohner abgelegner Dörfer beliefern, von einer „Alimentation Generale“ in eine farbenfrohe „Epicerie Volante“ verwandeln, gewinnt der Film des Dokumentaristen Guirado zugleich die Leichtigkeit einer Sommerkomödie. (Heidelberg, Gloria)





25. April 2008

 


Wolfgang Nierlin

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