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Filmtext

Living in Oblivion - Die Vergessenheit ist die Verdammnis der Künstler
Montagsgespräche
Living in Oblivion    -     Die Vergessenheit ist die Verdammnis der Künstler

Ton? läuft! Kamera? Läuft! chaos? Läuft! Fim ab...


Es ist Film im Film; Schauspieler hinter der gefilmten Kamera und ein unsichtabrer Mann der etwas erzählen möchte über die Welt in und für die er vielleicht auch Lebt? -Der er aber zumindest sein Schaffen gewidmet hat... die Welt des Films.


Tom DiCillo ist kein blosser Konsument der fertigen Produktionen, sondern ein Mensch der ab ´76, nach seinem Master of Filmmaking in New York, in den Funktionen von Drehbuchautor, Kameramann, Schauspieler, Regisseur und Produktionsassistent in den Kulissen diverser Lowbudget-Streifen herumgeisterte und Zeit hatte sich hier mit dem langen und steinigen Weg von der Idee zum 90Minütigen Programm vertraut zu machen. Eine Film-Hebamme in jeglicher Position die Zeuge war von Blut Schweiss und Tränen der schweren Geburt so mancher verschollener oder unbekannt gebliebener Cineastischer Leistung und wohl auch dem dramatischen Verlust einiger Totgeburten.


Auf welche Hindernisse er im Laufe von beinahe 2 Dekaden am Set gestossen ist, bevor er sich selbst hinter die Kamera wagte und wieviel Inkompetenz er hat ertragen müssen... einiges davon steckt in diesem Film. Nach Eigenaussage hat er die Kurzgeschichte auf der sein späteres Drehbuch zu „Living in oblivion" basierte, ähnlich wie Wim Wenders sein Werk „Stand der Dinge", eben zur Verarbeitung dieser Erfahrungen geschrieben.


Es ist ein ehrlicher Film und für jeden der noch nicht zu nah dran war an einer Filmproduktion, durchaus ein Lustiger.


Man kann einige Seitenhiebe und Hommagen entdecken, oft auf Menschen mit denen DiCillo zusammengearbeitet hat. Die Karriere des ihm gut bekannten Steve Buscemi wird ebenso bearbeitet wie der, damals noch unbekannte Brad Pitt, mit dem er seinen ersten Film drehte (Johnny Suede).


Er karikiert und zeigt uns die Crew als Team, dessen Teamgeist von den technischen, fachlichen, menschlich- und zwischenmenschlichen Problemen und Pannen hart und sprichwörtlich Alptraumhaft auf die Probe gestellt wird und lässt uns dennoch zurück mit ihrer Hoffnung auf Erfolg und der Angst vor der Kehrseite.


Dem Oblivion.


Die Angst banal zu sein, unentdeckt zu bleiben oder ungeliebt vom unsichtbaren Publikum des Filmes, dessen über die Kinos der Welt verstreuter Beifall sich für die Schöpfer nur als nüchterne Zahlenbilanz unter dem Strich ausdrückt, von der ungewiss bleibt ob sie für das Herzblut, den Schweiss und die Tränen vor und hinter der Kamera entschädigen kann... Vielleicht bei Erfolgen!? Doch die Versenkung in der sich viele Versuche, Möchtegern-Regisseure und Atrappenkünstler ineinanderstapeln, liegt immer in Sichtweite. Wer im Oblivion landet, einer Metapher für die Hölle, für den bleibt nichts. Jedes Erfolgserlebniss reicht jedoch aus um diesen Schlund vergessen zu machen und sich sogleich zwischen die Lichtgestalten der Szene zu Träumen, auf Siegertreppchen und an Auszeichnungspodien... Und diese Vision trägt, von Projekt zu Projekt.... für die, die nicht aufgeben bis zum Erfolg. Oder in die dreckige Gasse, zum Suicid am Hinterausgang einer Bar in New York City.


 


Tobias A.L. Rohde

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