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Filmtext

Jeanine Meerapfel
Jeanine Meerapfel

 "Wenn es Hitler nicht gegeben hätte, wäre ich ein deutsch-jüdisches Kind geworden, mehr deutsch als jüdisch, geboren in einem kleinen süddeutschen Dorf. Aber ich bin in Argentinien geboren und meine Muttersprache ist spanisch.“

Dieses Zitat der 1943 in Buenos Aires als Kind deutsch-jüdischer Einwanderer geborenen Filmemacherin Jeanine Meerapfel deutet bereits die grundlegenden Aspekte ihres bisherigen Werks an: Die künstlerische Auseinandersetzung mit ihren deutschen, jüdischen und argentinischen Identitäten vor dem Hintergrund der Vergangenheiten Deutschlands und Argentiniens.



Jeanine Meerapfel kam 1964 im Alter von 21 Jahren eher zufällig nach Deutschland - in das Land, aus dem ihre Eltern flüchten mussten. Ein Stipendium des DAAD ermöglichte ihr ein Studium am Institut für Filmgestaltung an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Bis sie 1980 mit Malou ihren ersten vielbeachteten Film drehte, für den sie u.a. auf dem Filmfestival in Cannes den FIPRESCI Preis erhielt, arbeitete sie als freie Journalistin und Dozentin am Goethe-Institut. 1981 drehte sie den sehr persönlichen, essayistischen Dokumentarfilm Im Land meiner Eltern, in dem sie sich auf die Suche nach ihrer eigenen jüdischen Identität begibt und die Frage stellt, wie Deutsche mit ihrer Vergangenheit umgehen. 1985 folgte Die Kümmeltürkin geht, der die Geschichte der 38-jährigen Melek erzählt, die nach 14 Jahren Deutschland verlässt. Es folgt Die Verliebten (1986-87), dem von der Kritik allerdings weniger Beachtung geschenkt wurde.



In den kommenden Jahren wendet sie sich mit den Filmen Desembarcos – Es gibt kein Vergessen (1986-89), La Amiga (Die Freundin, 1988) und Amigomío (1993-95) ihrer alten Heimat Argentinien zu. Ihre Themen aber bleiben dieselben: Die Aufarbeitung nationaler Geschichte angesichts von Unterdrückung und Terror sowie die Suche nach kulturellen Wurzeln. Seit 1990 arbeitet Jeanine Meerapfel als Professorin an der Kunsthochschule für Medien in Köln, außerdem ist sie Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Heute gehört Jeanine Meerapfel zu den profiliertesten Filmemacherinnen Deutschlands, für ihr Gesamtwerk als Regisseurin und Drehbuchautorin erhielt sie im Jahr 2000 den Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Ihr neuer Film Annas Sommer startet im Januar 2002 in den deutschen Kinos.

Volker Kull

erschienen im Film & TV Kameramann 1/2002
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