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Filmtext

Maskierte Suche nach sich selbst
Maskierte Suche nach sich selbst

„Sie war eine jener Seelen, die sich nicht bemerkbar machen, die geduldig erforscht werden wollen, bei denen man genau hinschauen muss. Früher hätte ein Maler sie in einem Genrebild verewigt: als Wäscherin, Wasserträgerin oder Spitzenklöpplerin.“ Mit diesen Worten endet Claude Gorettas Meisterwerk „La dentellière“ (Die Spitzenklöpplerin) aus dem Jahre 1977. Für die 1953 in Paris geborene Isabelle Huppert ist diese beklemmende Vereinsamungsgeschichte nach mehreren kleinen Auftritten ihre erste Hauptrolle und der Beginn einer großen Karriere als Filmschauspielerin. In über achtzig Filmen, die sie mit den bedeutendsten europäischen Autorenfilmern realisieren konnte, war sie seither zu sehen. Die präzise Darstellung eines von enttäuschter Liebe ausgelösten Rückzugs ins Schweigen, der für Gorettas Film zentral ist, prädestinierte sie für die Opferrolle. Aber schon in Maurice Pialats „Loulou“ (1980) wird ihr verschlossenes, unnahbares Wesen durch kontrolliertes inneres Aufbegehren in eine ambivalente Spannung versetzt. „Man muss den Charakteren immer etwas Unsichtbares lassen“, hat Isabelle Huppert ihr unterkühltes Spiel kommentiert. In der Zusammenarbeit mit Meisterregisseur Claude Chabrol, mit dem sie bislang sieben Filme drehte, kultivierte sie schließlich diese widersprüchliche Doppelgesichtigkeit als Kennzeichen einer weiblichen Selbstbestimmung und als maskierte Suche nach sich selbst. Sowohl in Chabrols versierter Flaubert-Adaption der „Madame Bovary“ (1991) als auch in Christian Vincents modernem Beziehungsdrama „La séparation“ (1994) resultiert daraus eine Durchbrechung privater und gesellschaftlicher Enge. Alle vier Filme über vier Geschichten unerfüllter Liebe sind ab heute in einer kleinen Isabelle Huppert-Reihe zu sehen, die das Karlstorkino in Zusammenarbeit mit dem Berliner Bureau du cinéma und mit Unterstützung durch das Heidelberger BCU und den Deutsch-französischen Kulturkreis zeigt.



(Heidelberg, Karlstorkino, 26.-29.10.)

 




 




 




 





25. Oktober 2006

 


Wolfgang Nierlin

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