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Filmtext

Offene Wunden
Offene Wunden

Lebenskrisen, ausgelöst von traumatischen Kindheitserfahrungen, überwältigenden Liebesnöten und schwerwiegenden Sinnverlusten, stehen im Mittelpunkt der sieben italienischen Filme, die unter dem Titel „Cinema! Italia!“ vom 7. bis 13.12. im Heidelberger Karlstorkino zu sehen sein werden. Die renommierte Festival-Tournee, die in ihrem neunten Jahrgang durch mittlerweile 27 bundesrepublikanische Städte führt, möchte erneut einen Einblick in das aktuelle italienische Filmschaffen bieten, das zwar auf internationalen Festivals noch präsent ist, in hiesigen Kinos aber längst ein Nischendasein führt. Selbst die Filme von Altmeistern wie Maurizio Ponzi, Pupi Avati und vor allem Marco Bellocchio sind davon betroffen und finden seit Jahren keinen deutschen Verleih. Ihre jüngsten Arbeiten, in denen die melodramatischen, neorealistischen und surrealistischen Traditionslinien des italienischen Kinos fortgeführt werden, stehen bei „Cinema! Italia!“ deshalb ebenso auf dem Programm wie die Werke ihrer jüngeren Kollegen.



Zu ihnen gehört die hierzulande mit dem Film „Der schönste Tag in meinem Leben“ bekannt gewordene Cristina Comencini, Tochter des berühmten Komödienregisseurs Luigi Comencini, die in „La bestia nel cuore“ (Die Bestie im Herzen) einen eigenen Roman verfilmt hat. In dem stark besetzten Familiendrama unternimmt die schwangere Schauspielerin Sabina (Giovanna Mezzogiorno, bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet) eine Reise in die Traumata ihrer Kindheit. Jahrelang wurden sie und ihr Bruder Daniele (Luigi Lo Cascio), der jetzt in den USA lebt, von ihrem Vater missbraucht. Mit der schmerzlichen Bearbeitung des Verdrängten entfernt sich die junge Frau zunehmend von den Menschen ihres bisherigen Lebens.



Auch der Chirurg Timoteo, Protagonist des Films „Non ti muovere“ (Geh nicht fort), den der bekannte Schauspieler und Regisseur Sergio Castellitto inszeniert hat, wird vom Schock über ein aktuelles Ereignis mit einer offenen Wunde seiner Vergangenheit konfrontiert. Während seine 15-jährige Tochter Angela nach einem schweren Verkehrsunfall um ihr Leben ringt, erinnert sich ihr Vater (von Castellitto selbst gespielt) an das aus Standesdünkeln selbst verschuldete Ende einer ebenso leidenschaftlichen wie unwiederbringlichen Liebesbeziehung. Als „einen Film über den Schmerz“, in den er „Körper, Seelen, Augen, Blicke“ hineingelegt habe, hat der Regisseur sein mit Penelope Cruz prominent besetztes Liebesdrama bezeichnet.



6. Dezember 2006

 


Wolfgang Nierlin

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