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Filmtext

Ressource Mensch
Ressource Mensch

„Bundesweites Filmfestival zu Arbeit, Wirtschaft, Globalisierung“ lautet die Unterzeile eines aus insgesamt fünfzehn langen und kurzen Filmen bestehenden Programms, das unter dem Titel „ueber arbeiten“ zur Zeit durch achtzig deutsche Städte tourt. Vom 1. bis 7. Februar ist es im Heidelberger Karlstorkino zu sehen und wird – wie schon die thematisch verwandte „globale“ – von Gästen und Diskussionen begleitet. Dabei kooperieren die Veranstalter der Initiative „Aktion Mensch“ mit lokalen Verbänden und Vereinen, um anhand der Filme über „die Frage nach der Zukunft unseres Gemeinwesens“ sowie über die Auswirkungen einer zunehmend globaleren Verflechtung der Arbeitswelt und des wirtschaftlichen Handels nachzudenken.



Ein besonders eindrückliches Beispiel hierfür liefert Micha X. Peleds aufrüttelnder Film „China Blue“. Überwiegend heimlich gedreht, zeigt er die extreme Ausbeutung von Arbeiterinnen einer Textilfabrik in Lifeng, wo für Hungerlöhne und unter enormem Konkurrenzdruck Jenas für amerikanische Discounter hergestellt werden. Als „menschliche Ressourcen“ bezeichnet der Sweatshop-Besitzer Mr. Lam seine Mitarbeiterinnen, die teilweise siebzehn Stunden am Tag schuften und in einem Hofgebäude auf dem Fabrikgelände untergebracht sind. Eine bizarre Form des Outsourcing über kulturelle Grenzen hinweg porträtiert Ashim Ahluwalias Film „John & Jane“: In einem Callcenter der indischen Metropole Mumbai (Bombay) führen junge Inder, in Sprache und Wertekanon am amerikanischen Lifestyle geschult, Verkaufsgespräche mit Kunden in den Vereinigten Staaten und werden dabei zu merkwürdigen Zwitterwesen im kulturellen Crossover der Globalisierung.



„Zwischen den Welten“ und „Irgendwo dazwischen“ sind fast programmatisch weitere Beiträge des Festivals betitelt, in denen die individuellen Geschichten einer kurdischen Immigrantin in der Schweiz und die schwierige Phase des Übergangs von Jugendlichen in die Arbeitswelt erzählt werden. Mit Filmen über Kaffeehandel („Schwarzes Gold“), den Niedergang des US-Energiekonzerns „ENRON“ und ein zerstörerisches Staudammprojekt in Chile („Abschalten“) werden aber auch brisante und höchst aktuelle wirtschaftspolitische Themen verhandelt. Schließlich gewährt der renommierte Regisseur Veit Helmer („Tuvalu“), der am 2.2. als Gast erwartet wird, mit seiner Dokumentation „Behind the Couch -  Casting in Hollywood“ einen Einblick in die Selbstvermarktungspraktiken von Schauspielern im gnadenlosen Filmgeschäft der Traumfabrik.



27./28. Januar 2007

 


Wolfgang Nierlin

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