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Filmtext

Boy meets girl

Boy meets girl in Dublin. Um etwas Geld zu verdienen, müsse er tagsüber populäre Lieder singen, sagt der von Glen Hansard (Commitments) gespielte irische Straßenmusiker. Abends, wenn die Straßen und Plätze fast leer sind und er auch nicht mehr von Streunern beklaut wird, kommen dann die eigenen, selbstkomponierten Songs dran. Diese handeln vom Verlassenwerden, von Liebesschmerz und Liebessehnsucht. Und das ist natürlich genau der richtige Zeitpunkt in John Carneys erfrischend unkonventionellem Musical „Once, um die tschechische Einwanderin und Pianistin Markéta Irglová in sein Liebesmärchen einzuführen. Auch sie hat keinen Rollennamen, was die besondere Nähe zwischen den Darstellern und ihren Figuren unterstreicht. Denn was die beiden Protagonisten von Anfang an verbindet, ist die Liebe zur Musik und zum gemeinsamen Musizieren.



In voller Länge und teils langen Einstellungen werden die Lieder in „Once“ vorgetragen, was einen beträchtlichen Reiz des Films ausmacht und eine bezaubernde Stimmung transportiert. Ganz organisch verschmilzt auf diese Weise die Musik mit der Handlung, erzählen die Songs von den Gefühlen der Figuren und verbinden so deren Geschichten miteinander. Denn aus der musikalischen Seelenverwandtschaft wird bald Freundschaft und aus der Freundschaft wiederum Liebe, die aber unausgesprochen bleibt und so dem Film eine bittersüße Note verleiht. Während die Immigrantin mit Mutter und kleiner Tochter in einem Wohnheim lebt und den Unterhalt als Putzfrau und Blumenverkäuferin bestreitet, hilft ihr Freund im „Hoover-Center“ des Vaters beim Reparieren von Staubsaugern. Zur sozialen Abhängigkeit, die immer wieder kreativ unterwandet wird, kommen noch die emotionalen Bande früherer Beziehungen, aus denen sich beide noch nicht gänzlich gelöst haben.



Insofern beschreibt „Once“ auch einen Aufbruch, der mit einem langen, gemeinsamen Wochenende in einem Aufnahmestudio beginnt und in einem Abschied kulminiert. Leben und Kunst verschmelzen für eine zeitlich begrenzte Dauer und evozieren so jenen Traum, von dem auch John Carneys sehr authentischer und durchweg positiv gestimmter Film beseelt ist.
(Heidelberg, Gloriette)





26. Januar 2008

Wolfgang Nierlin

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